Posted on

Vergangenes modern erzählen – Die Multimedia-Reportage #MD45

Der 16. Januar ist für Magdeburg ein einschneidendes Datum. 1945, kurz vor Ende des Zweiten Welt­­krieges, wurde die Stadt in zwei Wellen von den Alliierten bombardiert. Das Online-Projekt #MD45 hat die Geschehnisse mit Hilfe von Zeitzeugen aufgearbeitet.

Das national­­sozialistische Regime hatte Magde­burg zu einem der wich­­tigsten Rüstungs­­standorte ausgebaut. Rund 40 000 Menschen arbeiteten in den Waffen­­produktions­­stätten – teil­weise freiwillig, aber vor allem gegen Kriegs­­ende zunehmend als Fremd­­arbeiter und Kriegs­­gefangene.

Für die Stadt und ihre Bewohner und die hier in KZ’s und Lagern Festgehaltenen war die Bombardierung dagegen mit über 2000 Toten, einer zu 90 % zerstörten Innen­­stadt und 190 000 obdach­­losen Magde­burgern eine Tragödie von historischem Ausmaß.

Zum 70. Jahrestag 2015 hat eine Gruppe von Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal die Ereignisse rund um den 16. Januar 1945 aufwendig multimedial aufgearbeitet und unter http://md45.die-waehlerischen.de/ online zur Verfügung gestellt.

“Je mehr wir uns von diesem Datum entfernen, desto abstrakter werden für Viele die Geschehnisse rund um die Zerstörung Magdeburgs” sagt Ilona Wuschig, Projektleiterin und Professorin für Medien/TV an der Hochschule Magdeburg-Stendal. “Wir wollen jedoch nicht nur an das Leid der Magdeburger erinnern, sondern auch klarmachen, dass das von den Nationalsozialisten regierte Deutschland den Krieg ausgelöst hat, und dass die Konzentration der Rüstungsproduktion in Magdeburg der letzte Anlass für die Angriffe der Alliierten am 16. Januar 1945 waren.”

21.35 Uhr. Die wenigen Luftschutzbunker sind überfüllt, in manchen Bunkern bricht Panik aus. Es wird geschrien, laut gebetet. Lautes Zischen und Pfeifen, Druckwellen lassen die Hausmauern erschüttern. Menschen krallen sich aneinander.

Das Rechercheprojekt setzt dabei auf eine detailreiche Mischung aus Aufzählung historischer Ereignisse, Interviews mit Zeitzeug*innen, aber auch fiktiven Biographien, die die Geschehnisse rund um den Tag aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

 

“Wir wollen das Thema für junge Menschen interessant und verständlich machen. Wir machen keinen mehrmedialen Schulunterricht, wir reihen nicht einfach Fakten einfach aneinander, sonder erzählen gut recherchierte Geschichten und lassen die Nutzer_innen eine spannende Handlung miterleben lassen, wie es damals war.” sagt Stephan Meyer, einer der Projektmitarbeiter. Daher wurde besonders Wert auf Einsatz von Sozialen Medien gelegt.

Auch ein Jahr nach Entstehen ist das Projekt heute immer noch online, und lädt alle Interessierten, aber auch Zweifler und Geschichtsvergessene dazu ein, sich intensiver mit den Hintergründen und Geschehnissen rund um die Zerstörung Magdeburgs auseinanderzusetzen. Denn bei Ihrer Aussage sind die Projektinitiatoren eindeutig: “Wir wollen mit #MD45 auch dazu beitragen, dass so etwas nie wieder geschehen soll – nicht hier, noch sonst wo”, so mahnt Ilona Wuschig.
Die 8. Meile der Demokratie ist daher, neben dem Erinnern und Gedenken, auch ein Ort, um über ein friedliches Miteinander in der Zukunft zu diskutieren.